Die Natur einer visionären Idee

Wenn Ressourcen zur Neige gehen

Noch nie ist die Weltbevölkerung so schnell gewachsen wie heute: genau genommen um 216.000 Menschen pro Tag. Unsere Rohstoffreserven nehmen hingegen ab. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie aufgebraucht sind. Das gilt ganz besonders für Produkte auf Erdöl-Basis: Allein in den großen Auto-Absatzmärkten Asien, Europa und USA werden jährlich über 10 Millionen Tonnen Altreifen ausgemustert. Entsprechend werden neue Reifen hergestellt. Und das mit stark steigender Tendenz. Doch wie lange kann das so weitergehen? Wie lange werden die Kohlenstoff-, Metall- und Energiequellen noch reichen? Und: Wie soll die stetig steigende Zahl alter Reifen entsorgt werden?

Umdenken erforderlich

In der EU ist die Deponierung von Altreifen schon seit längerer Zeit verboten. Trotzdem landen noch ca. 4 % der Altreifen in der EU auf der Deponie oder werden anderweitig illegal entsorgt. Weltweit ist dieses Problem noch weitaus größer. Auch die bisher vielfach angewandte Praxis, Altreifen als Brennstoff zu verwenden, ist ökologisch und gesamtökonomisch wenig sinnvoll, denn die grundlegenden Stoffe, aus denen Reifen hergestellt werden (v. a. Kautschuk und Öl zur Produktion von synthetischem Kautschuk und Carbon Black), müssen immer wieder neu gewonnen werden. Andere bisherige Verwendungsstrategien für Altreifen (Granulate für Böden oder als Beimischung zu Asphalt etc.) reduzieren ebenfalls nicht den Ressourcenverbrauch. Nur echte Kreislauf-Systeme, in denen Rohstoffe zirkulieren, d. h. zurückgewonnen und dem Kreislauf wieder zugeführt werden, können dauerhaft den Rohstoffverbrauch reduzieren.

Altreifenaufkommen / Jahr

Die Zukunft des Reifenmarktes

Schon heute führt die Kraftfahrzeugindustrie einen großen Teil der Materialien aus Altfahrzeugen in den Wertstoffkreislauf zurück. Dieser Trend wird zukünftig weiter steigen. Bei Altreifen ist eine Rückführung in den Kreislauf derzeit kaum möglich. Mangels technologischer Alternativen fokussiert sich die technische Forschung und vielfach sogar die politische Arbeit bisher vor allem auf die Reduzierung des Rollwiderstands von Reifen, um so weniger Kraftstoff zu verbrauchen. Dies ist sicherlich ein sinnvoller Schritt. Die Etablierung eines Wertstoffkreislaufs für Reifen setzt aber bereits vorher an und senkt demgegenüber bereits den Verbrauch von fossilen Brennstoffen bei der Herstellung von Reifen – ein großer Schritt in die richtige Richtung, für Umwelt und Wirtschaft gleichermaßen.

In Europa müssen die Autohersteller seit 2008 eine stoffliche Recyclingquote von 80 % des Materialgewichts eines Neufahrzeugs nachweisen. 5 % der Materialien dürfen thermisch verwertet werden. Ab 2015 werden die Quotenvorgaben auf 85 % und 10 % erhöht. Altreifen werden zum Großteil thermisch verwertet (d. h. verbrannt und damit zu Heizzwecken genutzt). Bei einem Gewichtsanteil an einem Fahrzeug von 2–3 % steigert die stoffliche Verwertung von Altreifen die gesamte Recyclingquote von Altfahrzeugen signifikant. Bei der Erfüllung der Quotenvorgaben kommen wir damit schon heute einen großen Schritt weiter.